Blechplastik: zu den Arbeiten von Hans Wissel

In dem Artikel : „Blechplastik: zu den Arbeiten von Hans Wissel. In: Die Form. Zeitschrift für gestaltende Arbeit 3, Heft 1, 18-23, 1928 geht Wilhelm Lotz zunächst ausführlich auf technische Details ein und schreibt anschließend u.a. (Link):

"Die Arbeiten von Prof. Hans Wissel, stellen in ihrer technischen Eigenart einen Einzelfall dar. …. setzt Wissel die einzelnen geschlagenen Blechteile zusammen und verbindet sie durch Hartlötung. Die Nähte lässt er stehen ohne sie zu überputzen oder überfärben. Er bildet sozusagen erst einzelne Schalen aus Blech, die er dann zu der Vollform zusammenlötet…… Nun ist Wissel so einsichtig und mit einem so feinen Materialgefühl begabt, dass er sich streng davor hütet, den einzelnen Blechschalen zu komplizierte und naturalistische Formen zu geben. Dank der Sicherheit seiner Hammerarbeit unterwirft er die einzelnen Blechschalen einer einheitlichen Spannungskurve, die an der Lotnaht organisch in die Spannungskurve der nächsten Blechschale übergeht. Seine Arbeit ist daher in erster Linie Hammerarbeit, und nur für einige wenige Details wird er den Treibpunzen zu Hilfe nehmen müssen….. Wissel ist kein Fanatiker der handwerklichen Technik, das zeigt sich daraus, dass er ehrlich die Blechnähte stehen lässt und nicht, was er technisch sicherlich könnte, die ganze Figur oder den Kopf aus einem Blechstück herausschlägt oder treibt. Seine Technik dient einem künstlerischen Moment. Seine Lotnähte sitzen ganz organisch im Körper der Figur, aber sie bleiben Blechnähte und werden nicht dekorativ oder zur Erzielung eines naturalisierenden Effekts ausgewertet. Seine Figuren bleiben in einem seltenen Sinn immer Material, nämlich durch den Hammer in Spannung gebrachtes Metallblech. Und diese Spannung des Materials ist für ihn das Mittel des künstlerischen Ausdrucks. Er kommt dadurch zu einem plastischen Ausdruck, den gute plastische Erzeugnisse großer Künstler immer haben: die lebendige Bewegung der plastischen Masse. Seine Figuren sind in ihrem räumlichen Gehalt nicht erkaltet und erstarrt im Material, die Form ist nicht gefrorene Kraft, sondern ein lebendiges beständiges Neuwerden im Raum, sie bleibt nicht Oberfläche, sondern wird bewegte plastische Form. Seine Arbeiten sind ein geradezu glänzendes Beispiel für die Dienstbarmachung des Materials und der Technik für eine höhere künstlerische Funktion.

Es braucht kaum gesagt zu werden, dass diese Technik äußerliche Vorteile hat. Die Figuren sind verhältnismäßig leicht, und die gute Durcharbeitung der Blechspannung verhindert selbst bei dünnem Blech, dass sie eingedrückt werden. Des Architekten harrt hier eine besondere Aufgabe, diesen Plastiken, die durch ihre Größe zur Verwendung als Bauplastik auffordern, in der Architektur einen Rahmen und Wirkungsmöglichkeit zu geben."