La Revue Moderne, Exposition de Hanovre, Prof. Hans Wissel

In „La Revue Moderne“ erschien 1928 ein Sonderheft (Nr. 17, 25. Sep) zur deutschen Kunst mit einem Artikel zu Hans Wissel von Clément Morro (Übersetzung: Dr. Elisabeth Peters, Bonn):

„Das Jahrhundert, in dem wir leben, hat die Verschmelzung der Angewandten und der Plastischen Künste gebilligt; die Vereinigung von Kunsthandwerker und Künstler, den Triumph des Technischen und der Spezialisierung, der Form über den Dekor, das bedeutet der Arbeit mit dem Material über die Phantasie der Einbildungskraft. Es hat eine lebhafte Reaktion gesehen gegen die atemlosen Einfälle des dekadenten Ästhetizismus und eine Rückkehr zur Einfachheit von einst. Ein Zeugnis unter vielen anderen ist die Einsendung von Prof. Hans Wissel zur Ausstellung nach Hannover, dann zur Ausstellung nach Düsseldorf. Wir bringen hier die Wiedergabe einiger seiner Werke, die ebenso originell sind wegen der Wahl des Materials wie wegen der köstlichen und archaisierenden Einfachheit ihrer Konzeption.

Prof. Wissel gehört zu den kühnen Neuerern der aktuellen deutschen Generation. Lange praktische Arbeit mit Metallen hat ihn überzeugt, dass namentlich Zink und Kupfer, die vor kurzem aus den Ateliers der Bildhauer und Plastiker verbannt worden waren, fähig sind, der Schönheit und der plastischen Inspiration Ausdruck zu verleihen. Die Werke, die er der Öffentlichkeit präsentiert, sind mit dem Hammer gearbeitet und der geschickte Handwerker nimmt selten Schleifen und Polieren zu Hilfe. Aber man wird sagen, dass in Wissels Atelier wenig Platz bleibt für den Künstler und, alles in allem, der Handwerker überwiegt, der das Metall treibt. Das würde stimmen, wenn Wissel jedes seiner Werke aus einer Metallplatte arbeitete.

Aber das ist nicht der Fall; er arbeitet sozusagen mit Einzelteilen, was ihm mehr Perfektion im Detail erlaubt, aber ihn auch zu einem architektonischen Nachdenken zwingt beim Zusammenfügen und Vereinen der einzelnen Teile. Architektonisch oder architektural, weil die Werke Wissels von imposanter Größe sind und bestimmt zur monumentalen Dekoration. In der Tat ist unser Auge diese Kunst noch wenig gewohnt, an der geometrisches Kalkül ebenso teilhat wie die Inspiration; zweifellos ist diese Plastik ein wenig streng und macht die Ausführung der Kurven und der Formgebungen einfacher, deren Notwendigkeit Bourdelle selbst proklamiert hat. Aber es gibt keine Schwierigkeit, die das Talent nicht bezwingt, und der Torso eines jungen Mädchens wird das Zögern der Skeptiker verschwinden lassen.

Welche Ziele hat Wissels Konzeption? Ich glaube, sie ist zu einem großen Aufschwung bestimmt in einer Zivilisation, die in allen Bereichen der Kunst und der Konstruktion den Übergang von der Steinzeit zur Eisenzeit markiert. Ich glaube sie zu einem großen Erfolg bestimmt bei denen, die ebenso sehr wie die Meister der künstlerischen deutschen Erneuerung die Architektur mit den plastischen Künsten in Einklang bringen wollen und umgekehrt.

Egal was geschehen wird, Wissel hat einen originellen Versuch unternommen, auf den er eine Menge Talent verwendet hat, das würdig ist geschätzt zu werden.“